|
Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen |
||||
|
|
||||
|
|
Gemeindefusion im Kanton Glarus: Glarus Süd Am 23. April 2009 stimmten die Stimmberechtigten über das Wappen der neuen Gemeinde Glarus Süd ab. In Glarus Süd sind die bisherigen 13 Gemeinden Betschwanden, Braunwald, Elm, Engi, Haslen, Linthal, Luchsingen, Matt, Mitlödi, Rüti, Schwanden, Schwändi und Sool zusammengefasst. Die neue Gemeinde wird ab dem 1. Januar 2011 ihre offizielle Tätigkeit aufnehmen.
|
|||
|
Betschwanden |
Braunwald
|
Elm
|
||
|
Engi
|
Haslen |
Linthal
|
||
|
Luchsingen
|
Matt
|
Mitlödi
|
||
|
Rüti
|
Schwanden
|
Schwändi
|
||
|
|
Sool |
|||
|
|
Glarus Süd |
|
||
|
An der Landsgemeinde am 7. Mai 2006 wurde im Rahmen der Gemeindestrukturreform über die Zusammenlegung zu grösseren Gemeinden abgestimmt. Gemäss Antrag der Regierung sollten die 25 Gemeinden zu 10 zusammengefasst werden. Aus dem Ring kam ein Gegenantrag, die 25 Gemeinden zu drei Gemeinden zusammenzufassen. Dem Gegenantrag wurde überraschenderweise zugestimmt. Alle bei der Namens- und Wappenkommission Glarus Süd eingegangenen Vorschläge wurden nach Möglichkeit in eine Form gebracht, die den heraldischen Regeln am ehesten gerecht wurde. Mit E-Voting konnten sich die Einwohner über das Internet für die eine oder andere Variante entscheiden. Nach Rücksprache und Beratung mit einem Heraldiker wurden folgende Entwürfe für die Abstimmung vorgelegt:
Das linke Wappen bezieht sich auf das Wappen der Familie Bäldi. Der damalige Landammann des Landes Glarus, Joachim Bäldi, veranlasste 1548 die Errichtung des ersten Wildschutzgebiets Europas (Fryberg). Der Stern zeigt 13 Strahlen und symbolisiert damit den Zusammenschluss der 13 bisherigen neuen Gemeinde. Der weisse Wellensparren steht für den Zusammenfluss der beiden Flüsse Sernft und Linth. Das Wappen hat somit eine geografische und eine historische Komponente. Die Namens- und Wappenkommission favorisierte deshalb diesen Vorschlag. Das rechte Wappen zeigt ebenfalls die beiden Flüsse Sernft und Linth. Die weisse Spitze symbolisiert das markante Firnfeld des Tödimassivs. Als weitere Variante bestand die Möglichkeit, das bisherige Wappen von Schwanden weiter zu führen.
Familienwappen Bäldi
An der Gemeindeversammlung vom 23. April 2009 obsiegte bei den Namenswahl Glarus Süd vor Fryberg. Bei der Wahl des Wappens folgte zuerst ein Antrag, nicht nur dreizehn Zacken, sondern siebzehn einzusetzen, denn es seien auch siebzehn Gemeinden, respektive ab 2011 Dörfer, welche sich in der neuen Grossgemeinde Glarus Süd vereinen. Gemeint war die Anzahl Gemeinden seit 1939 (Abspaltung Braunwald von Rüti) bis 2004 (Anschluss Hätzingen und Diesbach an Luchsingen, gefolgt vom Anschluss Leuggelbach und Nidfurn an Haslen im Jahr 2006). Ein zweiter Antragsteller schlug vor, die Hintergrundfarbe Rot durch Blau zu ersetzen. Blau sei auch die Farbe für Wasser, und Wasser sei ein wichtiges Element in der neuen Gemeinde. Der Präsident liess zuerst über die Farbe abstimmen. Hier erhielt die Hintergrundfarbe Blau mit 436 zu 312 gegenüber Rot den Vorzug. Die Abstimmung ob dreizehn oder siebzehn Zacken dagegen fiel äusserst deutlich zugunsten der Variante mit siebzehn Zacken aus. Aus der Sicht des Heraldikers sind diese Abänderungen und auch die Art und Weise über das Einbringen der Anträge wenige Minuten vor der Abstimmung problematisch, denn in der kurzen Zeit sind nicht nur Fachkundige, sondern viele Stimmberechtigten überfordert. Zudem gilt in der Heraldik, dass nicht alles den Regeln entspricht, was gefällt - ganz abgesehen von der Symbolik, die zusätzlich ihren eigenen Gesetzen folgt . Es wäre da schon einiges zu berücksichtigen gewesen: Die Fachkommission wollte sowohl mit dem Motiv "Stern" als auch mit den Farben Gelb und Rot den Bezug zum Familienwappen Bäldi herstellen. Bei den Sternen ist es üblich oder gar notwendig, die Anzahl der Strahlen (Zacken) festzulegen. In den Wappen von Schweizer Gemeinden sind Sterne mit vier bis acht Strahlen vertreten. Der als Berater konsultierte Heraldiker äusserte gewisse Bedenken, stimmte aber dem Stern mit dreizehn Strahlen schliesslich zu. Es galt, sowohl die Vereinigung der dreizehn Gemeinden zu symbolisieren, als auch den Bezug zum Wappen der Familie Bäldi herzustellen. Mit siebzehn Stahlen (Zacken) ist aber das Mass für einen Stern eindeutig überschritten - und aus dem Stern ist nun eine Sonne geworden! Die meisten Wappen mit einer Sonne zeigen diese mit sechzehn Strahlen. Der Bezug zum Bäldiwappen ist somit nicht mehr gegeben. Es fehlt die Ehrerweisung an die Pionierleistung des Landammanns Bäldi, was zu bedauern ist. Wenn zwei Farben gegeneinander ausgespielt werden, wie es bei dieser Abstimmung der Fall war, ist das Ergebnis vorhersehbar. Gemäss einer Umfrage bei 1888 Personen erklärten 38 % Blau und nur 20 % Rot als ihre Lieblingsfarben (Heller, Wie Farben Wirken, 1989 Hamburg). Mit dem Farbwechsel von Rot zu Blau fällt nicht nur der letzte Bezug zum Bäldiwappen weg. Die Begründung, dass Blau die Farbe des Wassers sei, ist an sich richtig, aber mit dem Bezug auf das neue Wappen von Glarus Süd unsinnig. Der Wellensparren, der für die Flüsse Sernft und Linth steht, symbolisiert bereits Wasser. Was soll nun ausgesagt werden, wenn diese beiden Flüsse zusätzlich von Wasser umgeben sind? Die Sonne stahlt vom Himmel und planscht nicht im Wasser - oder handelt es sich nun um einen Seeigel? Zudem gibt es in der Schweiz 47 Wappen mit einer Sonne, davon 20 auf blauem Grund. Ohne die Begründung für den blauen Grund würde das Wappen die Wertung "gut" erreichen. Eine Begründung der Farben ist bei Wappen nicht zwingend. Sinnvoll wäre der Hinweis, dass die Mehrheit der bisherigen Gemeindewappen einen blauen Grund aufweisen. Nun ist aber die Farbe Blau mit der Begründung auf die grosse Bedeutung des Wassers gewählt worden, was von der Symbolik her in Bezug auf die Motive Sonne und Wellen abwegig ist, und dementsprechend die Wertung beeinflusst. Die Vorgabe mit den siebzehn Strahlen (Zacken) für die Sonne lässt dem Heraldiker wenig Spielraum für eine gute Darstellung. Üblich sind sechzehn Strahlen, also eine gerade Anzahl. Das erlaubt, die Strahlen abwechselnd geflammt und gestreckt darzustellen:
Die Gemeindewappen von Siders VS, Arboldswil BL, Känerkinden BL, Novaggio TI und Cornaux NE
Nun hat keines der neuen Glarner Gemeindewappen einen historischen Bezug. Von der Bevölkerung eines Kantons, in dem die Traditionen wie die Landsgemeinde hoch gehalten werden, hätte man mehr erwartet. Gemeinsam in allen Wappen drei neuen Glarner Gemeinden ist das Motiv der Gewässer (Linth, Sernft). Ebenfalls gemeinsam ist das Zählsystem, bei Glarus und Glarus Nord die Sterne, bei Glarus Süd die Strahlen der Sonne. Und das war schon alles!
Blasonierung des neuen Wappens:
|
||||
|
Wertung: Befriedigend
|
||||
|
|
||||