|
Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen |
|||||
|
|
|||||
|
|
Gemeindefusion im Kanton Wallis: Guttet-Feschel Im Jahr 2000 vereinigten sich die beiden Gemeinden Feschel und Guttet zu Guttet-Feschel:
|
||||
|
Feschel
|
Guttet
|
||||
|
Guttet-Feschel (2004)
Guttet-Feschel (2010)
|
|||||
|
Für das Wappen (von 2004) wurden die beiden bisherigen zusammenkopiert. Das bisherige Wappen von Feschel ist ganz und gar unheraldisch: Es zeigt einen naturgetreu abgebildeten Berg mit perspektivischer Strasse. Weiter grenzt der grüne Berg an den blauen Himmel. Dieser Verstoss gegen die heraldische Farbregel bewirkt auch, dass sich das Wappen bzw. die Fahne auf Distanz nicht mehr gut erkennen lässt, denn Blau und Grün sind sich im Farbton zu ähnlich. Weiter sind in der Heraldik weder naturgetreue noch perspektivische Darstellungen erlaubt. Das Wappen von Guttet, das den Heiligen Wendelin zeigt, kann man nicht generell als unheraldisch einstufen, obwohl Personen schon stärker stilisiert dargestellt werden. Im neuen Wappen, von der Gemeinde am 15.12.2004 per Urabstimmung angenommen, wurde zwar der blaue Himmel durch Weiss ersetzt. Nun aber befindet sich eine gelbe Sonne im weissen Himmel, was wiederum gegen die Farbregel verstösst. Weiter liegt der rote Mantel des Hl. Wendelin zum grösseren Teil über dem grünen Berg. Die langatmige Blasonierung (Beschreibung des Wappens) zeigt deutlich, dass es sich um ein schlechtes Wappen handelt.
Blasonierung: In Weiss ein links abfallender grüner Berg, durchzogen von einer schräglinks gestellten gelben Strasse mit zwei Biegungen, überhöht von einer gelben Sonne, davor und aus dem unteren linken Schildrand wachsende, rot bekleidete und gelb nimbierte Heilige Wendelin, in seiner Rechten einen gelben Krummstab und auf seinem linken Arm ein weisses Lamm haltend.
Wertung: Schlecht
Die Gemeindeverwaltung war in Nachhinein mit dem gewählten Wappen offensichtlich nicht glücklich und verwendete anstelle des Wappens ein Logo. Dieses Logo mit den Elementen Sonne, Berg und Wasser diente nicht nur der Gemeinde und der Tourismusorganisation. Alle Leistungsträger und Vereine wurden gebeten, dieses Logo zu verwenden. Die Wappenfrage wurde später wieder aufgegriffen und am 18. April 2010 konnten die Stimmberechtigten unter zwei überarbeiteten Varianten auswählen:
Erläuterungen zur Abstimmung (bitte anklicken) Gewählt wurde die Variante B mit 82 Stimmen. Die Variante A erhielt trotz der klaren Empfehlung zur Ablehnung doch noch 73 Stimmen. Vielleicht hängen die Menschen noch zu stark an den alten Wappen, oder aber man wollte sich nicht von Aussenstehenden in die Angelegenheiten der eigenen Gemeinde drein reden lassen. Das neu gewählte Wappen ist gegenüber dem aus dem Jahr 2004 zweifellos ein beachtenswerter Fortschritt. Man suchte bei einem Walliser Fachmann für Heraldik, Herrn Prof. Dr. Gaëtan Cassina, Rat und Unterstützung. Doch leider wurde sein Rat, die Sonne mit einem Gesicht zu versehen, damit sie nicht mit einem Stern verwechselt werden kann, in den Wind geschlagen. Diese Sonne kann aus gestalterischen Gründen nicht wesentlich vergrössert werden. Die Sonne und der Hirtenstab müssen etwa die gleiche Fläche aufweisen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. Die Gestaltung der Berge ist noch stärker zu beanstanden, da es sich eher um Angst einflössende Haifischflossen als um Bergspitzen handelt. Oder sind anstelle von Bergen Schneewächten (überhängende Schneemassen bzw. Schneeverwehungen) dargestellt? Wir können nur vermuten, dass der Grafiker, der offensichtlich nichts von Heraldik versteht, nach der Begutachtung die Form der Berge eigenmächtig verändert hat. Dass die Schweiz als Alpenland ihre Berge auch in der Heraldik thematisiert, ist verständlich. Da aber in der Heraldik naturalistische Darstellungen nur in stark stilisierter Form erlaubt sind, verursachen die Berge doch einiges Kopfzerbrechen. Grundsätzlich stehen für das Motiv "Berg" nur die heraldischen Figuren "Dreiberg" (mit Abwandlungen natürlich auch Ein-, Zwei-, Vier-, Fünf- und Sechsberg) und "Spitze" zur Auswahl.
|
|||||
|
Beispiele mit dem klassischen Dreiberg: |
|||||
|
Heiligenschwendi BE In Blau auf einem goldenen Dreiberg eine gebildete goldene Sonne. |
Niederlenz AG In Gelb über grünem Dreiberg grünes Lindenblatt. |
Eggerberg VS In Blau, auf grünem Dreiberg, ein silbernes Hochkreuz, überhöht rechts von einem gebildeten goldenen Mond und links von einer ebensolchen Sonne. |
Grône VS In Blau ein steigender silberner Steinbock auf grünem Dreiberg. |
||
|
Beispiele mit Spitzen, die als Berge zu verstehen sind: |
|||||
|
Hemberg SG In Silber drei grüne Spitzen.
|
Eggersriet SG In Silber zwei schwarze Rohrkolben mit grünen Stängeln und Blättern, zwischen drei erniedrigten grünen Spitzen.
|
Rumisberg BE In Silber drei blaue Spitzen im Schildfuss überhöht von einer goldbesamten Rose mit grünen Kelchspitzen. |
Möhntal AG In Blau drei gelbe Spitzen, überhöht von drei sechsstrahligen gelben Sternen. |
||
|
Nicht eindeutige (unheraldische) Beschreibungen: |
|||||
|
Arosa GR In Blau über silbernem Zweispitzberg goldene Strahlensonne. "Zweispitzberg" ist keine offizielle heraldische Definition, aber jeder weiss, was gemeint ist. |
Blumenstein BE In Blau auf drei silbernen Felsen drei wachsende goldene natürlich Lilien mit beblätterten Stielen. Felsen ist keine offizielle heraldische Definition! Unter "Felsen" wird eher eine unheraldisch naturalistische Darstellung erwartet. |
Goppisberg VS In Blau, über drei silbernen Bergen, das Auge Gottes in goldenem Dreieck, aus dem goldenen Strahlen hervorbrechen. "Berg" als allgemeiner Begriff ist heraldisch zu ungenau! |
Chandolin VS In Blau, auf drei silbernen felsigen Bergen, eine springende widersehende Gämse, begleitet von einem goldenen Stern im linken Obereck. "Felsiger Berg" ist heraldisch nicht definiert, aber allgemein doch verständlich! |
||
|
Beispiele von Dreibergen mit etwas freieren Gestaltung: |
|||||
|
Schneisingen AG In Blau über hohem grünen Dreiberg zwei sechsstrahlige gelbe Sterne. |
Fiesch VS In Blau ein balkenweise gestellter silbernem Fluss über silbernem Dreiberg.
|
Binn VS In Blau, auf grünem Dreiberg, ein goldenes Kreuz mit drei sich nach oben verjüngenden Querbalken, begleitet von zwei goldenen Kreuzchen in den Oberecken. |
Varen VS Unter blauem Schildhaupt darin drei silberne Sterne, in Gold ein ausgerissener grüner Baum mit natürlichen Stamm über grünem Dreiberg. |
||
|
Diese Beispiele illustrieren die Problematik: Ist die mittlere Bergkuppe vor oder hinter den beiden andern? Sind die Kuppen spitz oder gerundet? |
|||||
|
Beispiele mit unheraldischen Bergdarstellungen: |
|||||
|
Stein SG In Gold auf gewölbtem goldenen Boden der grüne Goggeienberg. Problematisch sind immer Bezüge zu bestimmten Landschaften, wie hier zum Hausberg des Dorfes. |
Rüthi SG In Blau ein goldener Hirsch, die Klus zwischen zwei natürlichen Felsen überspringend, überhöht von zwei sechstrahligen silbernen Sternen. Das Wappen nimmt Bezug auf den Flurnamen "Hirschensprung" und besteht seit 1932. Diese natürliche Darstellung der Felsen ist vertretbar.
|
Trient VS In Blau ein grünes Gebirge, vor dem eine silberne Gämse auf grünem Boden steht. Hier ist einfach eine "Landschaft" ohne Bezug zur Gemeinde dargestellt, zudem noch mit einem Verstoss gegen die Farbregel (Grün auf Blau).
|
Val-d'Illiez VS In Blau das silberne Massiv der Dents-du-Midi, überhöht von einem liegenden linksgewendeten goldenen Füllhorn mit natürlichen Alpenrosen und überdeckt von drei aus grünem Dreiberg wachsenden Tannen mit natürlichem Stamm, die beiden äusseren unten überdeckt von je einem auf dem Dreiberg stehenden roten Haus. Abgesehen davon, dass das Wappen überladen wirkt, ist hier ein bestimmtes Bergmassiv dargestellt.
|
||
|
|
|||||
|
Die Blasonierungen sind folgenden Büchern entnommen:
Die Walliser Gemeinden und ihre
Wappen, Verlag Ketty & Alexandre, Chapelle sur Moudon
Auf Grund der Blasonierung (Beschreibung in der heraldischen Fachsprache) sollte jeder Heraldiker das Wappen richtig darstellen könne, auch wenn er es noch nie gesehen hat. Deshalb kommt der Blasonierung eine zentrale Bedeutung zu: Erstens muss die Blasonierung mit wenigen Worten auskommen und garantieren, dass das Wappen eindeutig definiert ist und entsprechend wiedergegeben werden kann. Zweitens muss ein Wappen so gestaltet sein, dass es blasoniert werden kann. Im Fall das neuen Wappens von Guttet-Feschel ist eine Blasonierung der Berge mit den konkaven Linien (Haifischflossen) unmöglich. Wenn die Gemeinde auf dieser Darstellung beharrt, muss das Wappen leider als unheraldisch eingestuft werden. Sollte aber die unten dargerstellte Blasonierung gültig sein, wovon wir ausgehen, kann das Wappen jederzeit neu gezeichnet werden. In Bezug auf die Sonne steht es dem Grafiker frei, die Anzahl der Strahlen festzulegen. Jedoch darf kein Gesicht eingefügt werden, dann das müsste in der offiziellen Blasonierung festgehalten sein. Die drei Berge lassen mehrere Interpretationsmöglichkeiten zu, was eigentlich bedeutet, dass die Blasonierung klarer gefasst werden müsste.
|
|||||
|
Blasonierung des neuen Wappens: In Blau drei erniedrigte silberne Spitzen, gelber Hirtenstab herauswachsend zwischen der rechten und der mittleren Spitze, gelbe Sonne über dem Zwischenraum der mittleren und linken Spitze.
|
|||||
|
Wertung: Befriedigend
|
|||||
|
|
|||||